„Unselige 10 H-Regelung“

Alexander Reinmiedl, stellvertretender Sprecher und Georg Huber, Sprecher des Aktionsbündnisses

Aktionsbündnis Bürgerwindräder im Landkreis Traunstein:

„Unselige 10 H-Regelung“

Mitgliederversammlung mit Neuwahlen - Georg Huber neuer Sprecher

Traunstein(kd).- Das „Aktionsbündnis Bürgerwindräder im Landkreis Traunstein“, ein überparteilicher Verband mit derzeit 201 Mitgliedern und kostenloser Mitgliedschaft, wird sich trotz der „unseligen 10 H-Regelung der Seehofer-beherrschten Staatsregierung“ weiterhin stark machen für Windkraftnutzung in der Region - nach dem Motto „Jetzt erst recht“. Der bisherige, in der Mitgliederversammlung mit Neuwahlen im Gasthof Schnitzlbaumer in Traunstein in seiner Funktion bestätigte Sprecher Georg Huber forderte die Kreisräte aus dem Bündnis auf, in den Kreisgremien für Vorteile und Potenzial von Windkraft zu werben und „der Staatsregierung die Kosten für die Erfassung der Windvorranggebiete in der Region 18 in Rechnung zu stellen“. Nachdem die Abstandsregelung auf die 10-fache Höhe eines Windrades erweitert wurde, gebe es in der Region keine Vorrangflächen für Windkraft mehr. Die Diskussionen über Jahre, die Planungen und immensen Kosten seien „in den Wind geblasen worden“.

Huber betonte, je mehr Mitglieder man habe, desto mehr Einfluss könne man erreichen. Das Bündnis habe in den letzten beiden Jahren zahlreiche Veranstaltungen auf die Beine gestellt, darunter zum Regionalplan „Wind“ und eine gemeinsam Veranstaltung mit der Bürgerenergie Traunstein e.V. zum Thema „Energie in Bürgerhand“. Bei den Wahlen der Beisitzer erklärten sich 13 Personen zu aktiver und beratender Mitarbeit bereit: Beate Rutkowski, Fritz Amann, Schorsch Beyschlag, Hans Dandl, Hermann Hofstetter, Rudolf Heydecker, Georg Huber, Dr. Ralph Jörger, Dr. Peter Langer, Alexander Reinmiedl, Dr. Rainer Schenk, Hans Schupfner und Siegfried Weber. Aus diesem Kreis wurden Georg Huber als Sprecher und Alex Reinmiedl als sein Stellvertreter gewählt.

Frau Dr. Birgit Seeholzer vom Landratsamt Traunstein erinnerte an den Kreistagsbeschluss, bis 2020 sämtlichen in Haushalten, Kommunen und Gewerbe verbrauchten Strom im Landkreis erneuerbar zu erzeugen. Das sei durch die 10 H-Regelung „nicht einfacher geworden“. Für sie sei Windkraft eine der fünf regenerativen Energieformen, die helfen können, dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen.

Mit Dr. Herbert Barthel, Referent für Energie und Klimaschutz im Bund Naturschutz Bayern, hatte das Bündnis einen weiteren Energiespezialisten zu Gast. Er hob die „Generationenverantwortung“ heraus. Die jährliche mittlere Tagestemperatur, gemessen unter natürlichen Schwankungen über 30 Jahre, steige eindeutig. Bisher würden bei der Energiewende die Themen „Wärmeverbrauch“ und „Verkehr“ vernachlässigt. Diskutiert werde nur über erneuerbare Energieformen. Der Bund Naturschutz favorisiere, besonders in Ballungszentren, Blockheizkraftwerke, weil neben Strom auch Wärme genutzt werden könne. Bei vielen Biogasanlagen laufe einiges falsch ohne vernünftige Wärmeverbrauchswege. Dr. Barthel weiter: „Wir glauben nicht, dass der Ausstieg aus Atom und Kohle ohne Wind gelingt.“ Windkraft sei nicht nur an der Nordsee, sondern auch im Binnenland „die flächeneffizienteste und kostengünstigste Zukunftsenergie“. Zudem sei ein Windrad nach Gebrauch rückstandslos und ohne Folgekosten demontierbar - im Gegensatz zu Atomkraft. Windkraftanlagen bedrohten zudem nach vorliegenden Daten keine Populationen irgendwelcher Tierarten. In der Diskussion vertrat Schorsch Beyschlag die Ansicht: „Neben der zugegeben wichtigen Diskussion zur Energieeinsparung müssen wir massiv erneuerbare Energie in Bürgerhand schaffen - denn jeder, der seine Energie selbst erzeugt, ändert automatisch sein Verbrauchsverhalten.“ Zudem drohe gerade in Bayern ein Verschieben des Atomausstiegs, wenn der Anteil an erneuerbarer Energie nur noch langsam steige. Ewald Kleybold forderte, „endlich die Gestehungs- und Folgekosten von Atom- und Kohlestrom ehrlich darzustellen“. Dann könne jedermann sehen, wie günstig im Vergleich erneuerbare Energie zu haben sei. Dr. Barthel fügte an: „Wenn man die Folgekosten des Klimawandels auch noch einrechnen würde, müsste die Emittierung einer Tonne CO² am Zertifikatemarkt 70 bis 100 Euro kosten. Aber es wurden industriefreundlich zu viele Zertifikate ausgegeben. Derzeit steht der Preis bei fünf Euro.“ Beim Vergleich zwischen Atomenergie, fossilen und erneuerbaren Energien würden „Äpfel mit Birnen“ verglichen, sprich Neuanlagen mit Altanlagen. Eine Windkraftanlage schade im Vergleich mit Atom und Kohle niemals - weder über Endlager noch über CO²- Ausstoß, argumentierte Siegfried Weber. Auch über Windkraft auf Bergrücken wurde diskutiert. Mehrere Redner sprachen sich dafür aus, so auch Xaver Schreiner: „Am Hochgern ist auf der Westseite in Höhe Agergschwendt ein Umsetzer mit einer breiten Zufahrtsstraße. Dort oben pfeift der Wind. Da rechnet sich eine Windkraftanlage.“ Der Alpenplan und die Alpenlandkreise, die Windanlagen in den Bergen derzeit verhinderten, müssten rasch umdenken. Generell warnte Dr. Herbert Barthel vor Euphorie: „Man muss auch zur Wartung hinauf. Es ist schwierig und teuer, die Anlagenteile auf Bergrücken zu schaffen, insbesondere, wenn noch keine Zufahrt existiert.“ Schließlich ging es um Möglichkeiten zum Bau einer Windkraftanlage unter neuer Gesetzeslage. Dr. Barthel dazu: „Eine Kommune, die ein Windrad will, kann einen Bebauungsplan ohne 10 H-Regelung aufstellen.“ Diese Chance muss nach Meinung vieler Versammlungsteilnehmer ergriffen werden. kd

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